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26. Mai 2026

Strukturen müssen im Unternehmen gelebt werden

Beratertipp der Kanzlei Baker Tilly: Haftungsstrukturen konsequent einhalten

Bundesweit gab es 2025 so viele Firmeninsolvenzen wie seit 20 Jahren nicht mehr. Laut Statistik wurden insgesamt 17.604 Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften verzeichnet. Davon waren rund 170.000 Arbeitsplätze betroffen. Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich diese Entwicklung dieses Jahr fortsetzt.

Hinter diesen Zahlen stecken Unternehmen mit Kunden, Mitarbeitern, Immobilien und Rücklagen, die oft über Jahre stabil gewachsen waren und dennoch in eine Situation geraten sind, aus der es keinen geordneten Ausweg mehr gab.

 

Immobilien richtig einbetten

„Nicht jede Krise ist steuerbar. Aber man kann im Vorfeld bestimmen, wie viel Handlungsspielraum man hat, wenn die Krise kommt”, sagt Diplom-Finanzwirt Matthias Winkler, Steuerberater und Partner im Regensburger Büro der multidisziplinären Kanzlei Baker Tilly, und verweist auf den dabei entscheidenden Faktor: „Frühzeitig muss eine Struktur aufgebaut und dann konsequent gehalten werden.“

Zentrales Element einer tragfähigen Struktur ist zum einen eine haftungsbegrenzende Rechtsform für das operative Unternehmen, wie eine GmbH oder GmbH & Co. KG. Zum anderen spielt die Behandlung von Betriebsimmobilien eine bedeutende Rolle. In der Praxis werden diese, haftungsrechtlich getrennt, im Privatvermögen des Gesellschafters gehalten und dem Unternehmen überlassen. Bei einer GmbH entsteht dadurch eine steuerliche Betriebsaufspaltung, bei einer GmbH & Co. KG wird die Immobilie als Sonderbetriebsvermögen eingeordnet.

Wichtig ist dabei, dass keine Grundschulden für betriebliche Verbindlichkeiten auf der separierten Immobilie bestehen. Wer diesen Grundsatz nicht konsequent befolgt, hat zwar eine Struktur auf dem Papier, im Ernstfall ist die Schutzwirkung allerdings wertlos. „Die beste Struktur nützt nichts, wenn Grundschulden oder Bürgschaften für das operative Geschäft die Haftungsbarriere durchbrechen. Das ist der Punkt, an dem viele Unternehmer nicht konsequent genug sind”, weiß Winkler aus seiner Beratungserfahrung. Banken bieten günstigere Konditionen, wenn Unternehmer außerbetriebliche Sicherheiten stellen. Das klingt betriebswirtschaftlich vernünftig, kann aber im Krisenfall teuer werden.

 

Disziplin entscheidet

Wer die abgegrenzte Betriebsimmobilie belastet oder privat bürgt, gibt genau den Schutz auf, den er aufgebaut hat. Im Schadensfall ist dann nicht nur das operative Geschäft betroffen, sondern alles. „Es lohnt sich, mit der Bank um Sicherheiten zu kämpfen, auch wenn das kurzfristig teurer ist. Denn wer heute Sicherheiten gibt, die er morgen nicht mehr zurückbekommt, zahlt im Ernstfall einen deutlich höheren Preis”, so Winkler.

Der dritte Baustein einer tragfähigen Struktur ist häufig eine Holdinggesellschaft, die man über die operative GmbH schaltet. Gewinne werden aus der operativen Gesellschaft in die Holding ausgeschüttet und dabei steuerlich weitgehend begünstigt. In der Holding liegt die Liquidität außerhalb des Haftungsbereichs des operativen Geschäfts, was nicht nur im Krisenfall schützt. Es schafft gleichzeitig Investitionsspielraum für neue Projekte, Beteiligungen oder den nächsten Wachstumsschritt.

Was alle drei Bausteine gemeinsam haben: Sie funktionieren nur mit Disziplin. Es reicht nicht, Strukturen einmalig aufzusetzen, wenn sie dann in Vergessenheit geraten. Sie müssen vom Unternehmen bei jeder Finanzierungsentscheidung, bei jeder Sicherheitenbestellung und bei jeder Ausschüttung konsequent gelebt werden. „Frühzeitige Strukturierung schafft keine Garantien, aber wertvolle Optionen. Gerade in unsicheren Zeiten machen die Optionen oft den entscheidenden Unterschied”, sagt Steuerberater Winkler.

(Quelle: Baker Tilly Steuerberatungsgesellschaft mbH & Co. KG, Regensburg/München, www.bakertilly.de)