Beratertipp der Kanzlei Baker Tilly: Externer Verkauf ist heute normale Form der Nachfolge
Der Verkauf des eigenen Unternehmens an einen Außenstehenden galt lange als Eingeständnis des Scheiterns. Wer seinen Betrieb nicht in der Familie weitergeben oder einem langjährigen Mitarbeiter übertragen konnte, der hatte – so die landläufige Wahrnehmung – etwas falsch gemacht. Diese Sichtweise hat sich gewandelt. In vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt schlicht der eine Nachfolger, der bereit und in der Lage wäre, die Verantwortung zu übernehmen. Häufig sind die Kinder beruflich anders orientiert und auch im Betrieb findet sich nicht immer jemand, der das Unternehmen weiterführen will. „Die externe Nachfolge, also der Verkauf an einen Dritten ist deshalb für viele Betriebe heute der naheliegende Weg und eine völlig normale Form der Nachfolge geworden. In vielen Fällen ist es die beste Lösung für alle Beteiligten“, sagt Diplom-Finanzwirt Matthias Winkler, Steuerberater und Partner im Regensburger Büro der multidisziplinären Kanzlei Baker Tilly.
Stilllegung selten kostenlos
Laut Winkler ist zu beobachten, dass immer mehr mittlere und große Unternehmen kleinere Betriebe aufkaufen. Sie tun sich leichter, Fachkräfte zu gewinnen, verfügen über organisierte Strukturen und können ihre Fixkosten auf mehrere Schultern verteilen. Hinzu kommen oft günstigere Konditionen im Einkauf und mehr Gewicht in Verhandlungen mit Kunden. „Für viele kleinere Betriebe ist der Anschluss an eine größere Struktur deshalb weniger ein Verlust an Eigenständigkeit, sondern mehr ein Gewinn an Stabilität“, erklärt Winkler.
Wer über die Zukunft seines Betriebs nachdenkt, sollte eines bedenken: Auch die Stilllegung kostet Geld. Die Abwicklung will organisiert sein, Mitarbeiterverträge müssen ordnungsgemäß zu Ende geführt und Verpflichtungen erfüllt werden. Stellt man diesen Aufwand dem Verkauf gegenüber, fällt die Rechnung oft anders aus, als viele zunächst annehmen. Dabei geht es nicht immer um den größtmöglichen Kaufpreis. Häufig ist Unternehmern, die jahrzehntelang Verantwortung getragen haben, wichtiger, dass die Betriebsräume übernommen oder weiter angemietet werden, dass Mitarbeiter und Kunden eine Perspektive behalten und ihr Betrieb in guten Händen weiterläuft.
Unternehmensverkauf gestalten
Wie gut sich ein Unternehmen verkaufen lässt, hängt stark vom Geschäftsmodell ab. Nischenanbieter und Firmen, die international tätig sind, sind in der Regel auch dann verkäuflich, wenn sie klein sind. Ihre Kunden haben einen Wert, der über das einzelne Geschäft hinausreicht. Know-how findet fast immer einen Abnehmer. Schwerer tun sich austauschbare Handelsbetriebe. Besonders kritisch ist der stationäre Handel, weil ein Käufer hier selten etwas übernimmt, das er nicht auch selbst aufbauen könnte.
Zudem lassen sich Unternehmen, die ganz auf eine Person, sprich den Inhaber, zugeschnitten sind, mit fremdem Management nur schwer fortführen. Je kleiner die Firma, desto schwieriger wird es, wenn der bisherige Eigentümer wegfällt. „Wer den Verkauf vorbereitet, sollte rechtzeitig dafür sorgen, dass Verantwortung nicht an einer einzigen Person hängt“, rät Winkler. Das erhöht die Verkäuflichkeit und meist auch den Wert des Unternehmens.
Steuerliche, rechtliche und betriebswirtschaftliche Aspekte greifen bei einem Verkauf ineinander. Diese berücksichtigt, gibt es viele Wege, den Übergang des Unternehmens zu gestalten. Die richtige Struktur entscheidet mit darüber, wie viel am Ende beim Verkäufer ankommt und wie reibungslos der Übergang für Mitarbeiter und Kunden gelingt.
(Quelle: Baker Tilly Steuerberatungsgesellschaft mbH, Regensburg/München, www.bakertilly.de)